Sonntag, 17. April 2011

Jobs, Jobs, Jobs...

Vor einiger Zeit war ich mit ein paar Leuten von meiner Uni am Wochenende in einer Bar. Dort hat mich ein Chinese angesprochen und mir einen Job angeboten. Letzten Freitag/Samstag war es dann soweit: Drei Russinnen, zwei Italienerinnen und ich sind mit einem ganzen Haufen Chinesen mit dem Zug in eine kleine Stadt in der Nähe von Chengdu gefahren, haben dort im Hotel übernachtet und wurden um sechs Uhr morgens geweckt. Dann wurden wir alle mit einer dicken Schicht Make-Up und Haarspray versorgt:



Nach vier Stunden (so lang hat die ganze Prozedur gedauert!) gings dann endlich los zu dem eigentlichen „Job“: In der Stadt fand an diesem Tag ein Fest statt, bei dem jede Menge Tänzer, Sänger usw. aufgetreten sind. 



Sogar Michael Jackson war vertreten! ;-)

Unsere Aufgabe war es, mit sehr sehr hässlichen Kleidern ein paar Mal die Bühne hin- und herzulaufen...





War eigentlich ganz lustig, auch wenn ich nicht so richtig verstehe, wo der Sinn der Sache lag, denn die haben jedem von uns  rund 100 € bezahlt und die ganze Sache war ein riesiger Aufwand! Ich frage mich echt, für wen sich das gelohnt haben soll… Aber gut, es war wieder mal eine sehr interessante (und sehr chinesische) Erfahrung ;-)
Generell werden einem als Ausländer hier die skurrilsten Jobs angeboten… Letztens sollte ich in einer Dating-Show (so eine Art chinesisches „Herzblatt“) auftreten und mir einen chinesischen Freund suchen, haha. Und Alex, ein blonder Ami, hat ziemlich viel Geld dafür bekommen, dass er bei einer Weinversteigerung im schicken Anzug dasaß und den Preis hochgetrieben hat! 

Freitag, 15. April 2011

Am Samstag haben wir mit ein paar Chinesen einen Ausflug nach Pingle gemacht, einem kleinen altertümlichen Dorf hier in der Nähe. War wirklich schön da! 





Das, was die Frau hier "zieht" ist Zuckermasse, aus der nach langem Ziehen, Zusammenklappen und wieder Ziehen Bonbons entstehen:


Auf diese roten Bänder schreiben die Chinesen ihre Wünsche...

Das Wetter wird hier jetzt auch endlich wärmer und man kann draußen sitzen, nur auf den blauen Himmel können wir dank Smog lange warten!

Mittwoch, 13. April 2011

In China essen sie Hunde!??

Ich werde ganz oft gefragt, ob ich hier schonmal Hund gegessen habe – hab ich nicht! Generell essen heutzutage nur noch die wenigsten Chinesen Hundefleisch!! Man kann es aber natürlich finden, wenn man danach sucht, vor allem in Südchina, wo so ziemlich alles gegessen wird. Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Essbar ist alles, was zwei Beine hat, außer der Leiter,alles,was vier Beine hat, außer dem Tisch, alles, was im Himmel fliegt, außer dem Flugzeug, und alles, was im Wasser schwimmt, außer dem Unterseeboot.“ 
Aber da immer mehr Chinesen Hunde als Haustiere halten (siehe unten), wird auch nicht mehr so viel Hundefleisch gegessen. In Korea dagegen ist es noch sehr viel üblicher! Und falls ihr es noch nicht wusstet: Auch in der Schweiz wird Hundefleisch gegessen - es sind also nicht nur die "seltsamen" Asiaten... ;)







Montag, 11. April 2011

Tashi Delek...

…ist tibetisch und heißt „Hallo“. Zusammen mit ein paar Leuten von meiner Uni (Ian aus Kanada, Katka aus Tschechien, Roberta aus Italien, Andi aus Österreich und Jörg aus Leipzig) war ich letzte Woche in Danba, einer kleinen Stadt, die zu Tibet gehört (sich allerdings geografisch gesehen nicht in Tibet befindet) und in der neben den Tibetern auch einige andere ethnische Minderheiten leben. 


Danba ist zwar nur einige hundert Kilometer von Chengdu entfernt, aber da sich die Straße permanent durch die Berge geschlängelt hat (siehe Bild), hat die Fahrt mehr als zehn Stunden gedauert. Die Straßenverhältnisse waren auch nicht gerade die besten, es gab nur wenige Streckenabschnitte, in denen es „echte“ Straßen gab, meistens waren das eher Schotterpisten…das erklärte dann auch, warum es für diese Strecke keine Nachtbusse gibt, das wäre einfach viel zu gefährlich!


Während der Busfahrt hat sich auch mal wieder gezeigt, das Chinesen einfach ein anderes Taktgefühl haben als wir: Die öffentlichen Toiletten in den ländlichen Gebieten Chinas bestehen meistens aus den üblichen Löchern im Boden, mit der Besonderheit, dass es zwischen den Löchern keine Trennwände und schon gar keine Türen gibt. Man hat somit beim Pinkeln gezwungenermaßen engen Kontakt zu seinen Nachbarinnen – wirklich praktisch falls man in Plauderstimmung ist ;) Man hockt dann also in diesem Raum und erledigt, was zu erledigen ist und direkt vor einem geht es zu wie auf dem Bahnhof, denn die Chinesinnen sehen offenbar keinen Grund, draußen zu warten, obwohl alle Löcher besetzt sind. Nein, sie bleiben einfach unmittelbar vor einem stehen und gucken zu….wirklich sehr gewöhnungsbedürftig für uns Ausländer, aber die Chinesen denken sich nichts dabei.

Im Bus haben wir dann noch drei Jungs aus Israel kennengelernt, die sich uns angeschlossen haben. Übernachtet haben wir bei einer tibetischen Familie im „Gästezimmer“. Dieses befand sich auf dem Hof direkt neben dem Stall. 



Nachts hat das Schwein die ganze Zeit an unsere Tür gehämmert, was mich persönlich jetzt weniger gestört hat, ich hatte da eher meine Probleme mit einer riesigen, fetten, schwarzen Spinne….


Am ersten Tag sind wir gewandert – die Landschaft war echt total beeindruckend! Unser "Reiseführer" war der zehnjährige Sohn unserer Gastfamilie. Ich hab mich ja schon ein bisschen gewundert, dass seine Mutter ihn uns ohne Zögern mitgegeben hat, vor allem weil es teilweise auch ein bisschen gefährlich war, aber der Kleine kannte sich echt gut aus und war sehr hilfreich für uns!




Eine tibetische Gebetsstätte

Typisches tibetisches Haus



Die bunten Tücher mit Gebeten darauf sieht man überall in Tibet

Abends haben wir uns dann eine andere Unterkunft gesucht, da wir nach zwei Tagen dringend eine Dusche nötig hatten und die erste Familie keine besaß. Auf dem Weg in das andere Dorf mussten wir diese Hängebrücke überqueren:



Das war echt der Horror!! Es war windig wie sonstwas und das Ding hat geschwankt….ohje ohje, ich war wirklich froh als ich da wieder runter war!

Am zweiten Tag sind wir wieder gewandert und haben das sonnige Wetter genossen:













Auf der Rückfahrt haben wir noch bei den heißen Quellen Halt gemacht und uns alle einen Sonnenbrand geholt ;)

Der Ausflug hat sich echt gelohnt! Und er war auch total günstig: Für zweieinhalb Tage inklusive Busfahrt haben wir gerade mal 50 Euro bezahlt :)


Auch Mönche haben mal Hunger...

Freitag, 1. April 2011

In die Falle getappt....

Letzte Woche haben die Chinesen echt den Vogel abgeschossen: Am Donnerstag fragt mich eine Chinesin, die ich beim Deutschen-Stammtisch kennengelernt hab, ob ich am Samstag Lust und Zeit hätte, mit ein paar Chinesen, deren Firma einen Betriebsausflug macht, in das Umland vom Chengdu zu fahren, um die Pfirsich- und Birnenblüten anzuschauen, die dort gerade überall blühen. Hat sich ja nicht schlecht angehört, deshalb hab ich zugesagt. An besagtem Tag wurden wir (insgesamt vier Deutsche und eine Italienerin) dann mit einem Reisebus zwei Stunden ins chinesische Hinterland gekarrt und haben uns beim Aussteigen aus dem Bus schon gewundert, dass die „Mitarbeiter“ der Firma alle professionelle Kameras dabei hatten, einer sogar ein Mikrophon…aber gut, wir haben uns erstmal nichts weiter dabei gedacht. 


Wir fanden es aber etwas seltsam, dass die angeblich so wunderschönen Pfirsichblüten gar nicht zu sehen waren, stattdessen hatten die Chinesen mit Klebeband Plastikblüten an den Ästen befestigt!!


Wir sind dann also in diesem kleinen Bergdorf rumgelaufen, war zwar ganz schön aber jetzt auch nicht sooo außergewöhnlich, trotzdem wurde jedes kleine Detail von den Chinesen fotografiert und gefilmt und seltsamerweise waren wir Ausländer auch immer irgendwie mit auf dem Bild…KOMISCH….. Noch komischer wurde es, als eine alte Chinesin mit ihrer Kuh an der Leine ankam und wir gebeten wurden, dass doch bitte einer von uns Ausländern mal eben eine Runde Rodeo machen sollte (haben wir dann aber abgelehnt). 


Stattdessen „durfte“ das deutsche Pärchen, das auch dabei war, dann bei romantischer Musik Händchenhaltend über eine kleine Brücke gehen, was selbstverständlich gefilmt wurde. 


Anschließend gab es Mittagessen, wo man uns gebeten hat, traditionelle chinesische Kleidung anzuziehen und in der Küche so zu tun, als wären wir Koch bzw. Kellnerin. 
Langsam ist dann bei uns der Groschen gefallen: Der „Betriebsausflug“ war gar keiner; stattdessen haben uns die Chinesen ziemlich hinterhältig dorthin gelockt und uns dazu benutzt, einen Werbespot für das Bergdorf als neue Touristenattraktion zu drehen!! Wir waren dann tatsächlich ein paar Tage später im Fernsehen und mit einem Riesenbild in der Zeitung…. Nachdem wir endlich kapiert hatten, was da abging, waren wir ziemlich sauer und genervt und haben uns geweigert, weiterhin für irgendwelche Bilder zu posieren. Anscheinend hatten die Chinesen aber noch nicht genug Material, denn uns wurde plötzlich Geld angeboten, wenn wir nochmal für ein paar letzte Fotos posieren würden…Haben wir dann auch gemacht, wenn auch nicht mit dem gewünschten Lächeln. Am Ende haben wir versucht, dem Cheforganisator klarzumachen, warum wir so verärgert sind, leider hat er aber nicht so ganz kapiert, was jetzt unser Problem war, schließlich waren es ja nur „ein paar Fotos"...naja, ich sag dazu nur: Typisch China!


Man muss als Ausländer hier echt aufpassen, wo das eigene Bild landet! Zum Beispiel war ich letztens auf einer Lebensmittelmesse. 


An einem Stand wurde mir eine Getränkedose in die Hand gedrückt und ehe ich mich versah stand ich schon mit Dose und zehn Chinesen vor dem Stand des Herstellers und wurde fotografiert...ich wette das Bild landet jetzt in irgendeiner Zeitung mit einer Bildunterschrift nach dem Motto "Sogar Ausländer mögen unsere Produkte" ;-)

Letzte Woche habe ich übrigens die Zusage für das Praktikum in Shanghai bekommen, aber ich bin mir jetzt sicher, das ich es nicht machen werde...ich hätte theoretisch auch schon was anderes, was sich echt interessant anhört, nur leider stimmt die Bezahlung nicht so ganz, deshalb bin ich noch am Überlegen.

Anfang nächster Woche ist in China "Tomb Sweeping Day", ein Totengedenktag, an dem die Chinesen zu den Gräbern ihrer Verwandten gehen und z.B. Spielgeld verbrennen, denn sie glauben daran, dass die Toten auch im Jenseits Geld benötigen und dass es auf diese Weise zu ihnen gelangt. Der Tag ist ein Feiertag, d.h. ich habe ein verlängertes Wochenende und fahre mit fünf Leuten von meiner Uni für ein paar Tage nach Danba, einer kleinen Stadt zehn Autostunden von hier entfernt. Die Stadt befindet sich zwar in der Provinz Sichuan, gehört aber zur autonomen Region Tibet. Ich werde berichten :)

PS.: Ich freue mich immer über Mails von euch! Also bitte mehr davon!